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Pflegegrad 3: Leistungen, Geld und was er voraussetzt

Was Pflegegrad 3 im Alltag bedeutet, welche Beträge dahinterstehen und wie sich die Leistungen sinnvoll kombinieren lassen.

Hände einer älteren Frau auf den Griffen eines Rollators in einem hellen Wohnzimmer

Pflegegrad 3 ist der häufigste Grad in Deutschland. Er beschreibt eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit — jemanden, der viele Dinge noch selbst beginnt, sie aber nicht mehr zuverlässig zu Ende bringt.

Wie er zustande kommt

Die Begutachtung bewertet sechs Module und gewichtet sie unterschiedlich. Am schwersten wiegt die Selbstversorgung mit 40 Prozent, gefolgt von der Gestaltung des Alltagslebens und der Mobilität.

Aus den gewichteten Punkten ergibt sich der Grad. Für Pflegegrad 3 sind 47,5 bis unter 70 Punkte nötig.

Zwei Wege führen typischerweise dorthin: eine körperliche Einschränkung, bei der Waschen, Ankleiden und Toilettengang nicht mehr allein gelingen, oder eine mittlere Demenz, bei der die Bewegung erhalten ist, aber Orientierung und Handlungsplanung fehlen. Der zweite Fall wird von Angehörigen regelmäßig unterschätzt, weil äußerlich wenig zu sehen ist.

Die Beträge

Leistung Betrag
Pflegegeld (häusliche Pflege) 599 € / Monat
Pflegesachleistung (ambulanter Dienst) bis 1.497 € / Monat
Entlastungsbetrag 131 € / Monat
Tages- oder Nachtpflege bis 1.357 € / Monat
Vollstationäre Pflege 1.319 € / Monat
Verhinderungspflege bis 1.685 € / Jahr
Kurzzeitpflege bis 1.854 € / Jahr
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch 42 € / Monat
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bis 4.180 € je Maßnahme

Diese Töpfe bestehen nebeneinander. Wer nur das Pflegegeld abruft und die übrigen liegen lässt, verschenkt den größeren Teil.

Die Kombinationsleistung

Der am seltensten genutzte Baustein ist die anteilige Kombination. Nimmt jemand die Sachleistung zu 60 Prozent in Anspruch, bleiben 40 Prozent des Pflegegeldes erhalten, also rund 240 Euro zusätzlich zum Dienst.

Das passt zur häufigsten Konstellation: Ein Dienst kommt morgens für die Grundpflege, den Rest des Tages übernehmen Angehörige. Wer in dieser Lage rein auf Sachleistung umstellt, verliert das Pflegegeld vollständig, obwohl die häusliche Pflege weiterläuft.

Was Angehörige oft übersehen

Die eigene Absicherung. Wer mindestens zehn Stunden wöchentlich an mindestens zwei Tagen pflegt und daneben höchstens 30 Stunden erwerbstätig ist, wird über die Pflegekasse rentenversichert; Unfallversicherungsschutz besteht ebenfalls. Beides entsteht nicht automatisch, sondern muss gemeldet werden.

Ebenso der Zuschuss für den Umbau: 4.180 Euro je Maßnahme sind an keinen hohen Pflegegrad gebunden, und „je Maßnahme” heißt, dass eine spätere weitere Anpassung erneut bezuschusst werden kann, wenn sich die Situation ändert.

Der Weg von Pflegegrad 2 zu 3

Die Höherstufung ist der häufigste Anlass für einen erneuten Kontakt mit der Pflegekasse. Sie erfolgt nicht automatisch, auch nicht nach einem Krankenhausaufenthalt.

Nötig ist ein formloser Änderungsantrag. Danach läuft dasselbe Verfahren wie beim Erstantrag: Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, Punktbewertung, Bescheid innerhalb von 25 Arbeitstagen.

Sinnvoll ist es, vorab das alte Gutachten anzufordern und modulweise zu vergleichen, was sich verändert hat. Ein Antrag, der konkret benennt, in welchem Modul die Selbstständigkeit abgenommen hat, ist deutlich belastbarer als der allgemeine Hinweis, es sei „schlechter geworden”.

Was der Grad im Alltag bedeutet

Hinter der Punktzahl steht ein wiederkehrendes Bild: Waschen und Ankleiden gelingen mit Anleitung und teilweiser Übernahme, das Verlassen der Wohnung nur begleitet, die Medikamenteneinnahme muss gestellt und kontrolliert werden.

Bei Demenz sieht es anders aus. Die körperliche Ausführung klappt oft noch, aber die Handlung wird nicht begonnen, nicht zu Ende geführt oder in falscher Reihenfolge ausgeführt. Weil das Modul „Selbstversorgung” die Ausführung bewertet und nicht die Initiative, fällt die Punktzahl hier leicht zu niedrig aus. Es sei denn, der Hilfebedarf bei der Steuerung wird im Gespräch klar beschrieben.

Genau dafür ist das Pflegetagebuch das wirksamste Mittel: Es macht sichtbar, wie oft am Tag jemand anleiten, erinnern oder nachkontrollieren muss.

Kombination mit der Tagespflege

Ein häufig übersehener Vorteil bei Pflegegrad 3 ist, dass Tages- oder Nachtpflege mit bis zu 1.357 Euro monatlich zusätzlich zum Pflegegeld oder zur Sachleistung gewährt wird. Sie wird also nicht gegengerechnet.

Für berufstätige Angehörige ist das oft die tragfähigste Konstruktion: Die Tagespflege deckt die Arbeitszeit ab, das Pflegegeld bleibt für die häusliche Versorgung am Abend und am Wochenende erhalten.

Ergänzt um den Entlastungsbetrag und die stundenweise Verhinderungspflege lässt sich damit eine Woche abdecken, die mit einer einzelnen Leistung nicht finanzierbar wäre.

Häufige Fragen

Wie viele Punkte braucht Pflegegrad 3?

47,5 bis unter 70 Punkte aus der Begutachtung. Darunter liegt Pflegegrad 2, darüber Pflegegrad 4.

Wie hoch ist das Pflegegeld?

599 Euro monatlich bei häuslicher Versorgung durch Angehörige. Wer stattdessen einen ambulanten Dienst beauftragt, erhält Sachleistungen von bis zu 1.497 Euro.

Kann ich beides kombinieren?

Ja, als Kombinationsleistung. Wird die Sachleistung nur teilweise ausgeschöpft, wird das Pflegegeld anteilig im selben Verhältnis gekürzt.

Was zahlt die Kasse für einen Umbau?

Bis zu 4.180 Euro je Maßnahme für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, etwa eine bodengleiche Dusche oder eine Rampe — unabhängig vom Pflegegrad ab Grad 1.

Gilt Pflegegrad 3 dauerhaft?

Der Bescheid ist unbefristet, kann aber auf Antrag oder bei einer Wiederholungsbegutachtung geändert werden. Bei Verschlechterung lohnt der Änderungsantrag, weil Leistungen erst ab Antragsmonat laufen.